Nachwuchs hat Tradition

Geschichte - Wunstorf bekommt eine Jugendfeuerwehr

Geschrieben von Michael Berla. Veröffentlicht in Nachwuchs hat Tradition

Es begann damit, dass im Jahre 1962 im ganzen Land der Aufbau von Jugendfeuerwehren einsetzte.

Das Interesse am Dienst in der Feuerwehr war eben nicht nur unter den Männern groß, die bereits als Erwachsene zur Freiwilligen Feuerwehrgehörten, sondern auch Jugendliche wollten sich in der Feuerwehr engagieren.

Anfang 1963 hieß es im Ortskommando Wunstorf: ,,Packen wir es an!" Stadtbrandmeister Wilhelm Kähler jun. zog Erkundigungen ein. Viele Fragen waren zu klären: Sind die Jungen versichert? Werden sie bei Bränden eingesetzt? Welches Alter ist für die Jugendwehr gedacht?

Am 20. November wurde dann schließlich beschlossen die Pläne in die Tat umzusetzen und als eine der ersten Feuerwehren im Land Niedersachsen eine Jugendabteilung zu gründen.

Ein erstes Treffen von Interessenten fand dann unmittelbar danach, am 22. November 1963 statt. Dieses Datum ist als Gründungstag anzusehen.

Da nun der Winter begann, wurde die praktische Arbeit nicht sofort aufgenommen. Die Vorbereitungen für die ersten Zusammenkünfte 1964 fanden durch Gespräche statt. Man einigte sich: Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren sollten mitmachen.

Die Jugendlichen konnten schon die Zeit nicht mehr abwarten und waren im März dann auch pünktlich zur Stelle. 20 Jungen schrieben sich zum Dienst ein.

Die über 40 Jahre - Jugendfeuerwehr Wunstorf - bedeuten eine ebenso lange Nachwuchsarbeit und -förderung für die Freiwillige Feuerwehr Wunstorf, wie allgemeine Jugendarbeit.

In dieser Zeit sind viele junge Kameraden in die Einsatzabteilungen gekommen und bilden dort zum Teil die tragenden Kräfte. Inzwischen sind sogar viele von Ihnen als Führungskräfte in der Feuerwehr Wunstorf tätig.

Mit der altersgerechten, vielfältigen Beschäftigung wird eine breite Palette der Freizeitgestaltung geboten, die über Sport, Spiel, Zeltlager auch das brandschutzgerechte Verhalten, Ziele und Aufgaben des Brandschutzes und der Feuerwehr zum Inhalt hat, um die Jugendlichen für den aktiven Dienst der Freiwilligen Feuerwehr zu begeistern und vorzubereiten.

Vor über 40 Jahren stand die Nachwuchsarbeit im Vordergrund der Jugendfeuerwehrarbeit. Die Jugendlichen hatten sogar die Möglichkeit an Einsätzen teilzunehmen. Dies war zwar nur im "gefahrlosen Bereich" vorgesehen, aber man war doch wirklich dabei. Heute wissen wir, dass es "gefahrlose" Einsätze eigentlich nicht mehr gibt und dass die Teilnahme an Einsätzen auch schon lange kein Ziel unserer Jugendfeuerwehrarbeit mehr ist. Dies heißt natürlich nicht, dass die Feuerwehr- und Nachwuchs- arbeit ins Hintertreffen geraten ist und an Bedeutung verloren hätte. Sie ist nach wie vor unsere Hauptaufgabe, doch im Mittelpunkt unserer Jugendarbeit steht nicht die Feuerwehr, sondern der junge Mensch, der zur Feuerwehr möchte. Um ihn geht es, er soll sich bei uns wohl fühlen, er soll seine Interessen und Bedürfnisse artikulieren und verwirklichen können und er soll das Gefühl haben, dass er bei uns ernst genommen wird. Bei der Ausbildung im Feuerlöschdienst zählt nicht die Leistung des Einzelnen allein, stets geht es um die Leistung der Gruppe bzw. der Gemeinschaft. Alle Leistungen werden von allen gefordert. Die Gemeinschaftsleistung, bei der der Schwächere unterstützt und mitgerissen wird, bringt den Erfolg. In der regelmäßigen Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe erlebt der junge Mensch Kameradschaft, Hilfsbereitschaft und aktives Eintreten füreinander. Diese Werte sind die Grundlage für den ehrenamtlichen und selbstlosen Dienst in der Feuerwehr für die Allgemeinheit.

Nicht nur der Selbstzweck zur Nachwuchsgewinnung bestimmen heute die Arbeit der Jugendfeuerwehren, sondern insbesondere die Erziehung der jungen Menschen zu tätiger Nächstenhilfe. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Förderung des Gemeinschaftslebens und der demokratischen Lebensformen.

Die allgemeine Jugendarbeit hat in den letzten Jahren an Bedeutung zugenommen. Junge Menschen brauchen heute mehr denn je eine intakte Gemeinschaft, in der sie aufgenommen sind und in der sie Anerkennung und Geborgenheit finden. Hierbei ist es wichtig, dass sie frühzeitig an sinnvolle Aufgaben und Verantwortung herangeführt werden und dieses kann eigentlich nicht früh genug geschehen. Auf der anderen Seite müssen wir uns in den Feuerwehren heutzutage immer häufiger mit den gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzen, die auch an unseren Mitgliedern nicht ganz vorüber gehen. Hierbei kommt unseren Jugendwarten und Betreuern eine große Bedeutung und Verantwortung zu. Wenn man bedenkt, dass diese Jugendarbeit ausschließlich von Ehrenamtlichen geleistet wird, wird vielfach deutlich, dass hier eine große Unterstützung von den Feuerwehren aber auch von unserem Staat geleistet und erbracht werden muss. Aber auch für die Einübung der demokratischen Lebensformen bietet die Jugendfeuerwehr eine hervorragende Grundlage. Sie hat im Rahmen der Feuerwehrsatzung der Gemeinde die Freiheit, ihr Jugendleben selbst zu gestalten. So lernen und üben die Jugendlichen innerhalb ihrer Organisation durch Wahlen, Übernahme von Ämtern und Pflichten die Regeln der Demokratie. So wächst das Bewusstsein zur notwendigen und verantwortlichen bürgerlichen Mitbestimmung in unserer Gesellschaftsordnung.

Seit der Gründung der Jugendfeuerwehr haben eine Handvoll Jugendfeuerwehrwarte und dutzende Betreuer gezeigt, dass es außer Fernsehen, Video und Computern auch noch andere sinnvolle Freizeitbeschäftigungen gibt. Darum kommt der Jugendarbeit ganz besondere Bedeutung zu.